Die Feuerwehr übernimmt den Schäfflertanz
- Wiederaufführung im Jahre 1969

Am Dienstag, den 3. Juni 1969 findet um 20.00 Uhr im Gasthaus zum Schwanen eine gemeinschaftliche Ausschusssitzung von den Vereinen Handel & Handwerk und der Freiwilligen Feuerwehr statt, in der man einstimmig die Vereinbarung trifft, dass sich von nun an die Feuerwehr um die Aufführung des Schäfflertanzes im Zeitraum von mindestens 5 Jahren kümmert. Dabei darf die Tanzgruppe selbst den Eintrittspreis festlegen und diesen auch einsammeln. Die Idee, den Schäfflertanz wieder zu beleben stammte von Kurt Kistner und Bernhard Hammer, die die Tradition des Schäfflertanzes gerne weiterleben lassen wollen und zudem verhindern möchten, dass die Schritte des Tanzes für die Nachwelt verloren gehen. Diese Idee bringen sie auch als Vorschlag bei der Feuerwehr ein, die für die Auber Jugendlichen entweder ein Theaterstück oder eine andere Aufführung anbieten will.

Nach einer Entscheidung für den Tanz und dem Treffen mit Handel & Handwerk übernehmen Kurt Kistner und Bernhard Hammer mit Unterstützung der Feuerwehr sofort die Rekonstruktion des Tanzes. Dabei können sie sich nur auf alte Fotos stützen, die sie von der Küferfamilie Geißendörfer zur Verfügung gestellt bekommen. Sie „erfinden“ mit viel Mühe den Schäfflerschritt neu, legen die Positionswechsel mit „Mensch - ärgere - dich - nicht“ Figuren, die sie mit Draht verbunden haben, fest und auch eine neue Figur, das so genannte „Zahnrad“ fügen sie dem Tanz hinzu. Zudem findet bei einigen Auber Jugendlichen, die gerade einen Tanzkurs absolvieren, die Idee des Schäfflertanzes großen Anklang und so kann bald mit der ersten Tanzprobe am Sportplatz begonnen werden. Allerdings wird die Probe, vor allem wegen der besseren Bodenbeschaffenheit, vom Sportplatz hinauf zur Tankstelle Pfrang verlegt. Franz Pfeuffer begleitete jede Übungseinheit mit dem Akkordeon, da noch kein Tonträger mit der Musik vorhanden ist.

rothenburg kleinAber nicht nur der Tanz sondern auch die Bögen und Kleider der Schäffler müssen erneuert werden, da sie nach dem Krieg leider nur sehr billig hergestellt werden konnten. So sind viele fleißige Helfer nötig, wie zum Beispiel der Auber Küfer Albert Geißendörfer, der für die Schäfflertanzgruppe ein „Wunderfass“ macht, aus welchem gleichzeitig weißer und roter Wein aus nur einem Hahn fließen können oder Maria Wartha, die die neuen Kostüme näht. Noch im selben Jahr, zur Auber Kirchweih, am 17. August findet zum ersten Mal nach der mehrjährigen Pause wieder eine Aufführung des Schäfflertanzes in Aub statt, bei der die Tänzer auch Abzeichen und Probiergläser mit Wein, der aus dem Wunderfass ausgeschenkt wird, verkaufen. Jedoch etwa in der Hälfte des Tanzes unterbricht ein Regenschauer die Aufführung und die Tänzer müssen durchnässt nach Hause gehen. Aber auch im Jahre 1970 werden die Jugendlichen noch genügend Gelegenheiten haben, um sich und ihren Tanz in der Öffentlichkeit gebührend zu präsentieren. So wird der Tanz bei den Rothenburger Reichsstadttagen aufgeführt, dessen Initiatoren durch einen Zeitungsartikel auf die Auber Tanzgruppe aufmerksam geworden waren. Im gleichen Jahr melden sich die Schäffler zusammen mit der Auber Musikkapelle zum Kiliani-Trachtenzug in Würzburg an und können dort mit ihrem Weinverkauf aus dem Wunderfass erneut einen großen Erfolg erzielen.

Dadurch kann am 4. Oktober 1970 der erste Schäfflerausflug zur Altweibermühle nach Tripsdrill organisiert werden, der seinen Abschluss in Elpersheim findet. Nach dem Jahr 1971, in welchem die Schäfflertanzgruppe ebenfalls am Kilianiumzug teilnahm, legten Kurt Kistner und Bernhard Hammer ihr Amt als Trainer nieder und übergeben es an Maria und Karl Wartha, die diese Tätigkeit mit großem Engagement bis 1985 ausführten. Der Schäfflertanz wurde in dieser Zeit regelmäßig aufgeführt. Herausragende Ereignisse waren die Auftritte in Würzburg 1973 und 1974 sowie zum 75-jährigen Jubiläum des Arbeiter-, Kranken-, Unterstützungsvereins Aub im Schlossgarten. In den folgenden Jahren übernahm Angelika Holz federführend die Betreuung der Schäfflertanzgruppe. Sie wurde dabei von Gabriele Geißendörfer, ihrem Mann Günther Holz und Karin Geißendörfer unterstützt. Neben zahlreichen Auftritten, wie im Congress Centrum in Würzburg oder auf dem Giebelstädter Flugplatz stand hier insbesondere die Beschaffung neuer Trachten im Jahr 1989 im Mittelpunkt. 1990 verlor die Feuerwehr aus unterschiedlichen Gründen das Interesse an der Schäfflertanzgruppe und übergab sie an den neu gegründeten Fränkischen Heimatverein. Der Jahrtausendwechsel brachte auch einen Wechsel im Trainerstab. Angelika Holz übergab nach 15 arbeitsreichen Jahren das Training an Mark und Judith Veit-Tarolli. Bei der Einstudierung des Tanzes griffen ihr Sandra Krieger, Matthias Kirchschlager und seit Januar 2004 Jahr Maria-Theresia Reindl unter die Arme. Nach intensiver Diskussion entschlossen sich die Schäffler sich in einem eigenen Verein zu organisieren, der im Juni 2003 gegründet wurde.